MEUCHLINGS - PER EILPOST ZUM HIMMEL 

ANNE SPAETER

Premiere 04|2008

Theater im Werftpark Kiel

Meuchlings - per Eilpost zum Himmel

Mit: Anne Clausen, Matthias Jaschik, Jeffrey von Laun


Bühne & Kostüme: Petra Karpf


Musik: Tom Keller


Dramaturgie: Hanne Stig


Fotos: Petra Karpf

Kieler Nachrichten | 28.04.2008

"Nach der Tat ist vor der Tat"

"Ja, auch berühmte Zitate fallen in der Theatercollage Meuchlings von Anne Spaeter. "Ein Pferd ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!", ächzt da etwa Richard III. Schwer getroffen auf dem Schlachtfeld, ganz wie beim Original-Shakespeare - und doch anders. Das voll besetzte Auditorium jedenfalls reagierte mit viel Applaus bei der Premiere im Theater im Werftpark. Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung in William Shakespeares Königs-Dramen und Tragödien. Große Kunst für die einen, mehr oder weniger fesselnder Unterrichtsstoff für die anderen. Aber was wäre, wenn man sich dem Ganzen mal von der kriminologischen Seite näherte? Anne Spaeter, Regiedebütantin am Werftparktheater, schickt ihre Schauspieler zunächst als drei wissbegierige Studenten auf die Bühne. Die argumentieren anfangs papiertrocken mit Paragrafen, wenn sie sich dem blutrünstigen Treiben widmen. Besonders Jeffrey von Laun kennt die akademische Typologie des Mordes, Merkmalgruppe eins: niedrige Beweggründe!", was witzig wirkt, wenn düstere Abgründe extra nüchtern auslotet werden. Doch zunehmend schlüpfen die drei auch in die Rollen der Stücke. Da treten zum einen auf der Schotte Macbeth (Matthias Jaschik) mitsamt seiner energischen Lady (Anne Clausen) und zum anderen der Engländer Richard (Jeffrey von Laun), der seinen adligen Kollegen an Machtgier und Mordlust in nichts nachsteht. ... Sozusagen im Zeitraffer erlebt das Publikum, wie Macbeth und Richard ihre „Vorgesetzten“ niedermetzeln und auch sonst alles, was sich ihnen in den Weg zum Thron stellt. Das geht meist unübersehbar ironisch zur Sache, wenn etwa die Truppe lustig zur ohrwurmigen Musik (Tom Keller) ein Liedchen über Meuchelmorde trällert; oder wenn angesichts der Flut von unnatürlichen Todesfällen trocken konstatiert wird: „Nach der Tat ist vor der Tat!“  ... Kurze Ausschnitte nur, aber beeindruckend gespielt. Immer rascher schneidet die Inszenierung schließlich die Szenen gegeneinander, bis Richard und Macbeth schließlich Seite an Seite als Mordbrüder im Geiste vereint enden. Ein gelungener Schluss."