TARTUFFE ODER VON DER LUST, SICH
MANIPULIEREN ZU LASSEN
ANNE SPAETER & ANNE CLAUSEN
Premiere 11|2025
DEICHART Kiel
Tartuffe oder von der Lust, sich manipulieren zu lassen
Text: Anne Spaeter & Anne Clausen
Regie: Anne Spaeter
Mit: Anne Clausen, Johanna Kröner, Eirik Behrendt, Tom Keller
Ausstattung: Sibylle Meyer
Musik: Eirik Behrendt & Tom Keller
Fotos: Marija Behrendt
Kieler Nachrichten | 15.11.2025
Uraufführung von DeichArt: Tartuffe 2.0 mit Sex, Lügen und
Videos
"Molières „Tartuffe“ ist ein vielfach gespielter Komödienklassiker aus dem 17. Jahrhundert. Wie man diesen Stoff in die Gegenwart überführen kann, zeigt das Kieler Theater DeichArt mit seiner ganz eigenen Version in der ausverkauften Backbordbar des Kieler Maritim Hotels. ... Als Reality-Show „Die Orgons“ führt sich die Familie („wir sind steinreich und privilegiert“) zur TV-Show-Musik in glitzernden Dinnerjackets selbst ein. Fortan wird immer wieder in imaginäre oder reale Kameras gesprochen. Die Kardashians dieser Welt lassen grüßen. ... Das ganze Ensemble agiert mit großer Körperlichkeit und Präsenz, wenn sich die Protagonisten becircen, rangeln, die Stirn bieten. Originalverse Molières verschränken sich mit DeichArts eigenen Texten und Songs.
Die beiden Autorinnen Anne Clausen und Anne Spaeter – letztere hat auch die Regie übernommen - haben Molières vielfach gespielte Komödie aus dem 17. Jahrhundert in eine schillernde, hoch unterhaltsame Gesellschafts- und Mediensatire überführt, ein Tartuffe 2.0 mit Sex, Lügen und Videos. Originalverse von Molière verschränken sie geschickt mit eigenen Texten, teils ebenfalls in Versform, und der Mix funktioniert ganz wunderbar. Vorangetrieben wird die Handlung durch die Dynamik aufgeheizter Schlagzeilen und
gestreuter Fake News, die immer wieder auf der Leinwand eingeblendet werden und neue Realitäten schaffen. Eine weitere Ebene erhält das Stück durch Musik und Show- Elemente, wenn Orgon und Tartuffe im Duett „How Deep Is Your Love“ von den Bee Gees säuseln, Tartuffe seinen Größenwahn rappt oder Mariane ihren Frust herauslässt. Die Gesangstexte, sofern keine Cover, stammen ebenfalls von Anne Clausen und Annes Spaeter, die Musik von Tom Keller und Eirik Behrendt. Eine echte Gemeinschaftsproduktion und ein blitzschnelles und blitzgescheites 80-minütiges Vergnügen, das am Ende gefeiert wurde."